Für die wenigsten Erwachsenen ist der Umgang mit sexuellen Themen frei von Hemmungen oder Scham. Und dennoch haben Kinder und Jugendliche viele Fragen. Wie Eltern diese Fragen beantworten und welche Werte sie damit vermitteln, prägt das Verständnis der Kinder, das diese von Sexualität haben.

In der Schweiz sind die Eltern die Hauptverantwortlichen für die Sexualerziehung ihrer Kinder. Mit Sexualerziehung ist jener Teil der Erziehung gemeint, der sich mit der Entwicklung von Wissen, Einstellungen und Werthaltungen im Zusammenhang mit Sexualität befasst. Mit der Art und Weise, wie Eltern über Sexualität reden, bestimmen sie das spätere Verhalten ihrer Kinder.

Die Volksschule unterstützt die Eltern bei ihrem erzieherischen Auftrag. Die Schule versteht sich als Partner der Eltern. Deshalb hat der Dialog zwischen den Lehrpersonen und den Eltern einen besonders hohen Stellenwert. Während der obligatorischen Schulzeit laden die Lehrpersonen regelmässig zu Elternabenden ein oder führen Elterngespräche. Diese institutionalisierten Dialogformen bieten sich auch an für einen Austausch über sexualkundliche Fragestellungen. In der Westschweiz wird dieses Vorgehen heute schon systematisch gewählt.

Laut dem nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen soll die Sexualerziehung der Eltern die Gesundheit der Jugendlichen bezüglich deren Sexualität fördern (HIV-Programm 2011–2017). Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass Jugendliche im Bereich der Sexualität über gewisse Rechte verfügen. So zum Beispiel das Recht auf körperliche Unversehrtheit (Schutz vor sexuellem Missbrauch) oder das Recht auf vollständige und objektive Informationen. Gemäss HIV-Programm ist es Sache des Elternhauses, die Kinder über deren Rechte aufzuklären. Die Schule soll die Erziehungsarbeit der Eltern ergänzen durch ein geeignetes Bildungsangebot und Beratung. In Familien, in denen sexualkundliche Themen zum Beispiel aus kulturellen Gründen kaum oder gar nicht zur Sprache kommen, ersetzt die Schule im Sinne des Subsidiaritätsprinzips die elterliche Sexualaufklärung. Darüber hinaus bieten verschiedene Beratungsstellen ihre Hilfe an. Eltern, die Fragen zur Sexualerziehung haben, können sich an die regionalen Mitglieder von SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz wenden.