Der sexualkundliche Unterricht unterstützt nicht nur die Eltern bei der Erfüllung ihres Erziehungsauftrags, er ist auch im Interesse der Gesellschaft und der Steuerzahler. Denn die Folgen von Kindsmissbrauch, Teenagerschwangerschaften oder der Verbreitung von HIV und Geschlechtskrankheiten belasten die Krankenkassen und die Sozialhilfe.

Es ist zunächst das Interesse der Eltern, dass das eigene Kind nicht Opfer eines sexuellen Missbrauchs wird, dass das Kind sich nach Erreichen der Geschlechtsreife nicht in viel zu jungen Jahren mit einer Mutter- oder Vaterschaft konfrontiert sieht oder sich im Laufe des Lebens mit dem HIV-Virus infiziert. Ist das eigene Kind von einem solch einschneidenden Ereignis betroffen, so steht die Tochter oder der Sohn vor der Herausforderung, mit einer unter Umständen schweren persönlichen Belastung umgehen zu können und den Weg in ein möglichst normales Leben zu finden. Die Betroffenen, die Eltern oder das nähere Umfeld sind geneigt, die Schuld bei sich selbst zu suchen, obwohl diese keine Schuld trifft.

Dass die Gesellschaft ein Interesse daran haben muss, den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen zu verhindern, zeigt eine Zahl aus den USA: Amerikanische Studien schätzen, dass alle Formen von körperlicher und psychischer Vernachlässigung und Misshandlung an Kindern jährliche Kosten von mehr als 103 Milliarden Dollar verursachen. Das entspricht etwa einem Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandprodukts. Einen grossen Anteil der Kosten trägt die Allgemeinheit über entsprechende solidarisch finanzierte Versicherungen oder über die Steuern. Das ist auch in der Schweiz nicht anders.

Die Zahl der Teenagerschwangerschaften liegt in der Schweiz auf tiefem Niveau. Ein Zeichen dafür, dass sich der sexualkundliche Unterricht bewährt hat. Allerdings gibt es jedes Jahr immer noch einige Hundert Geburten von Teenagermüttern. 2012 wurden laut dem Bundesamt für Statistik BFS 523 Kinder von Müttern geboren, die 19 Jahre oder jünger waren. Darunter gab es 93 Entbindungen bei Frauen, die 17 Jahre oder jünger waren. Nicht zu vergessen sind 956 Schwangerschaftsabbrüche bei jungen Frauen unter 19 Jahren.

Teenagermütter landen als Erwachsene vergleichsweise häufig bei der Sozialhilfe. Junge Frauen mit niedrigerem Bildungsstand und aus sozial schwächeren Verhältnissen sind eher von Teenagerschwangerschaften betroffen. Auch der fehlende oder ungenügende Aufklärungsunterricht in der Schule ist dabei ein anerkannter Faktor.

Sexuell übertragbare Krankheiten breiten sich in der Schweiz heute wieder schneller aus. Auch die Gefahr vor einer Ansteckung mit HIV ist nicht gebannt. Nach Jahren des Rückgangs pendeln die HIV-Zahlen heute auf relativ hohem Niveau. Pro Jahr sind zwischen 500 und 700 Neudiagnosen zu verzeichnen. In der Schweiz leben heute rund 25'000 Menschen mit HIV und Aids und es sind keineswegs nur homosexuelle Männer von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen betroffen.