Mehrere kantonale Untersuchungen zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen ein Interesse an Themen der menschlichen Sexualität und Beziehungsgestaltung haben. Sie haben ein Recht auf sachliche Information.
 
Angesichts der allgegenwärtigen Präsenz sexueller Inhalte in den Medien entsteht leicht der Eindruck, der Jugend von heute müsse man beim Thema Sexualität nichts mehr beibringen. Verschiedene Studien der vergangen Jahre zeigen jedoch, dass noch heute viele Jugendliche ungenügend oder falsch über Sexualität informiert sind. Mythen und Halbwissen halten sich erstaunlich hartnäckig.
 
Schülerinnen und Schüler haben persönliche Fragen, die sie nicht an jene Person richten möchten, von der auch die schulischen Leistungen bewertet werden. Daher entsprechen externe Fachpersonen dem Bedürfnis nach Anonymität viel eher als die klasseneigene Lehrperson.
 
Seit 1997 verzeichnet der Anteil der Jugendlichen, die in einem bestimmten Alter sexuell aktiv sind, eine steigende Tendenz. Im Jahr 2007 waren etwa zwei Drittel (65,9%) der männlichen Jugenlichen im Alter von 17 Jahren sexuell aktiv, bei den Mädchen rund die Hälfte (54,9%). (HIV-Monitoring 2010)


Der sexualkundliche Unterricht führt allerdings nicht dazu, dass Jugendliche verfrüht sexuell aktiv werden. Die SMASH Studie 2002 hat gezeigt, dass die Aufforderung zum Gebrauch von Präservativen im Rahmen der «STOP AIDS»-Kampagne von Jugendlichen und junge Erwachsene nicht als Aufforderung oder Legitimation verstanden wurde, früher sexuell aktiv zu werden.
 
Studien aus verschiedenen Ländern belegen zudem, dass Präventionsprogramme, die darauf abzielen, dass die Jugendlichen vor der Ehe keinen Sex praktizieren sollen, ihr Ziel verfehlen. Demgegenüber zeigen Programme, die zwar Enthaltsamkeit als Option einschliessen, jedoch auch Verhütung und geschützten Geschlechtsverkehr thematisieren, die gewünschte positive Wirkung.