Die Lehrpersonen gehen altersgerecht auf Fragen ein, welche die Schülerinnen und Schüler beschäftigen. Sexualkundlicher Unterricht beginnt gegen Ende der Primarstufe (5./6. Schuljahr) und wird auf der Sekundarstufe I fortgesetzt.

Aus pädagogischer Sicht ist es zweckmässig, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit sexualkundlichen Themen befassen, bevor sie sexuell aktiv werden. Wissen, das zu spät vermittelt wird, nützt nicht mehr viel. Gegen Ende der Primarschule erhalten die Schülerinnen und Schüler daher Informationen in Bezug auf die bevor stehende Pubertät sowie grundlegendes, begriffliches Wissen. In der 5. oder 6. Primarklasse lernen sie zum Beispiel die Begriffe Stimmbruch und Menstruation kennen. Sie lernen, die körperlichen Veränderungen der Pubertät mit angemessenen Worten zu beschreiben. Am Ende der Primarschule sollen sie Informationen zu Geschlechtsorganen, Zeugung, Befruchtung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt verstehen.

Die ersten sexuellen Kontakte unter Jugendlichen beginnen in der Schweiz im Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Der eigentliche Schwerpunkt des sexualkundlichen Unterrichts folgt daher erst auf der Sekundarstufe I.

Im nationalen Programm zur Prävention von HIV und Geschlechtskrankheiten, das vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) herausgegeben wurde, ist definiert, dass eine stufengerechte Sexualerziehung in die Lehrpläne integriert werden soll (HIV-Programm 2011–2017). Ab welcher Stufe mit dem Sexualkundeunterricht begonnen werden soll, ist dort nicht festgehalten. Da die Bildungshoheit bei den Kantonen liegt, gilt dies auch für die Entscheidung über den Beginn des sexualkundlichen Unterrichts. Die deutschschweizer Kantone haben festgehalten, dass keine Einführung von sexualkundlichem Unterricht im Kindergarten geplant ist.

Die Westschweiz und einige Gemeinden der Deutschschweiz machen im Kindergarten Prävention vor Kindsmissbrauch. Die Kinder lernen zum Beispiel, dass sie an bestimmten Körperstellen nicht berührt werden dürfen. Und sie lernen, die Geschlechtsorgane in angemessener Weise zu benennen. Da sexueller Missbrauch an Kindern leider keine untere Altersgrenze kennt, ist diese Form der Prävention angemessen.

In mehreren Ländern Europas beginnt man mit der «Sexualaufklärung» bereits auf der Grundschule. Am frühesten beginnt man in Portugal mit Kindern im Alter von 5 Jahren. Spanien, Italien und Zypern starten erst, wenn die Jugendlichen 14 Jahre alt sind. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Unterschiede nicht so gross sind. Sie haben viel damit zu tun, was unter «Sexualaufklärung» verstanden wird. Konzepte der ganzheitlichen Sexualaufklärung umfassen neben Aspekten, die sich auf die Sexualität beziehen zum Beispiel auch weitergehende Aspekte wie Freundschaft oder Gefühle der Sicherheit und Geborgenheit.