Der sexualkundliche Unterricht leistet einen Beitrag zur Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften. Er beginnt ab der 5. Primarklasse. In der Westschweiz und in einzelnen Gemeinden der Deutschschweiz wird im Kindergarten Prävention vor Kindsmissbrauch gemacht.

In einem Grundsatzpapier aus dem Jahr 2011 unterscheidet die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) zwischen sexualkundlichem Unterricht und lebenskundlichen Themen. Während die Sexualkunde «Informationen zu Fakten und Zusammenhängen im Bereich der Sexualität» umfasst, gehören zur Lebenskunde weiter gehende Themen wie Freundschaft, Zusammenleben, Verantwortung, Respekt, Liebe und Partnerschaft.

Sexualkunde ist kein Fach, sondern ein Unterrichtsthema, das in einen Fachbereich integriert ist (z.B. Mensch, Natur , Gesellschaft). Der sexualkundliche Unterricht beginnt frühestens in der 5. Primarklasse, während lebenskundliche Themen, die bereits für die Kinder ab 5 Jahren interessant und wichtig sind, ab dem Kindergarten angesprochen werden (z.B. Freundschaft und Zusammenleben). Es ist keine Sexualkunde im Kindergarten geplant.

In der Westschweiz und in einzelnen Gemeinden der Deutschschweiz wird im Kindergarten Prävention vor Kindsmissbrauch gemacht. Diese Prävention hat nichts mit dem sexualkundlichen Unterricht der Primar- oder Sekundarstufe zu tun. Die Kinder lernen, die Geschlechts- und Körperteile zu benennen, sie lernen, wo sie nicht berührt werden dürfen und wo sie Hilfe in Anspruch nehmen können, wenn sie Opfer eines sexuellen Übergriffs werden.

In der 5. oder 6. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler Begriffe zu den körperlichen Veränderungen im Zusammenhang mit der Pubertät kennen (z.B. Stimmbruch und Menstruation). Auf der Sekundarstufe I wird das fundamentale Wissen zu Schwangerschaftsverhütung und über HIV sowie andere sexuell übertragbare Krankheiten vermittelt. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich eine Meinung über die verschiedenen Verhütungsmethoden bilden. Sie sollen beurteilen können, wie sie sich vor Krankheiten schützen können, die häufig über den Geschlechtsverkehr verbreitet werden. Sie sollen zudem in der Lage sein, Informationen zur menschlichen Fortpflanzung und Sexualität zu suchen und deren Qualität einzuschätzen. Sie erhalten darüber hinaus rechtliche Informationen zum Schutzalter und zum Schutz vor sexuellen Übergriffen. Am Ende der obligatorischen Schulzeit können sie verschiedene Verhaltensweisen im Bereich der Sexualität kritisch beurteilen (z.B. Konsum von Pornographie).

Die sogenannte Spencer-Studie (2001) geht davon aus, dass auf der Primarstufe nur rund ein Drittel der Schweizer Schulen sexualkundliche Themen behandeln. Auf der Sekundarstufe I erhält hingegen eine Mehrheit der Schülerinnen und Schüler Sexualkundeunterricht inklusive Prävention zu HIV. Gemäss der Studie ist also ein Schwerpunkt des sexualkundlichen Unterrichts auf der Sekundarstufe I auszumachen.